Der Indo-Pazifik verbindet die Produktionszentren Ostasiens mit den Rohstoffquellen des Nahen Ostens, Afrikas und Australiens. Über seine Seewege werden Energie, Rohstoffe, Vorprodukte und Fertigwaren in alle Welt transportiert. Zahlreiche europäische Unternehmen beziehen wichtige Komponenten aus dieser Region oder verkaufen ihre Produkte in die dortigen Märkte. Aber kann Europa seine Interessen in diesem Raum schützen?
Der Indo-Pazifik macht Europas strategisches Problem sichtbar. Die Europäische Union besitzt wohl eine Indo-Pazifik-Strategie. Sie setzt auf Diplomatie, Handel und Partnerschaften. Militärische Macht bleibt dagegen weitgehend die Sache anderer. Während China seine Marine ausbaut und die USA ihre Präsenz vom Persischen Golf bis in den westlichen Pazifik sichern, bleibt Europa vor allem Zuschauer eines Raumes, von dessen Stabilität es eigentlich wirtschaftlich stark abhängt. Die Vereinigten Staaten verlagern ihren strategischen Schwerpunkt zunehmend nach Asien. Washington wird daher immer stärker erwarten, dass Europa mehr Verantwortung übernimmt, nicht nur in Europa selbst, sondern wohl auch für die Sicherheit jener Handels- und Versorgungswege, von denen Europa abhängig ist. Geschieht das nicht, werden die USA ihre Sicherheitsgarantien zunehmend an politische und wirtschaftliche Gegenleistungen knüpfen. Der Indo-Pazifik ist deshalb nicht nur der Schlüssel zu Europas Zukunft. Er ist auch ein Prüfstein für Europas strategische Handlungsfähigkeit.
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Herbert Bauer, Generalmajor i.R. und Militärexperte
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